SMHL 2021 General Briefing

Das General Briefing läuft. Die Wetterbedingungen werden anspruchsvoll. Wir hoffen auf möglichst viele niederschlagsfreie Wetterfenster und keine tiefliegenden Wolken. Morgen früh gehts los. Aufgabenbriefing ist ist um 05.15 Uhr.

Auf zu neuen Abenteuern

Nach über einem Jahr Funkstille ist es Zeit, wieder einmal in die Tasten zu hauen. Die Covid-Pandemie hat auch mich etwas demotiviert. Aber ich will nicht jammern. Denn 2020 war für das Team Hugi ein gutes Jahr. Im dezentralen Early-Bird Wettbewerb kämpften wir bis zum Schluss gegen zwei Belgier und platzierten uns schliesslich zwischen Steven Vlegels und David Spildooren auf dem zweiten Gesamtrang. Die Rangliste dazu gibt es hier.

Den deutschsprachigen Balloon Live Contest, bei dem leider nur etwa 15 Teilnehmer die Aufgaben ernsthaft versuchten zu lösen, konnten wir mit einem fantastischen Punkteschnitt gewinnen.

Aktuell läuft erneut ein dezentraler Wettkampf, der Balloon Live Contest 2021. In diesem Jahr ist der Wettbewerb für alle Länder geöffnet und es sind 36 Piloten angemeldet. Wettbewerbsdirektor ist der renommierte Claude Weber. Bisher wurden vier Tasksheets publiziert. Ich habe mich auch wieder angemeldet, in der Hoffnung, dass die Schwachstellen im Tasksetting erkannt und ausgemerzt wurden. Die Kunst bei dieser Art von Wettbewerb liegt darin, dass die Aufgaben für alle Piloten bei verschiedensten Bedingungen lösbar sein müssen. So sind beispielsweise Dreiecksflächen mit Zeitbegrenzung abhängig von markanten Wechseln der Windrichtung und Geschwindigkeit. Diese Aufgaben sind taktisch sehr interessant in einem Teilnehmerfeld, das die Lösung gleichzeitig bei gleichen Bedingungen sucht. In einem dezentralen Wettbewerb geht es dann darum die bestmöglichen Bedingungen zu finden, was einerseits gewisse Lokalitäten bevorteilt und andererseits den Piloten mit mehr Zeit für solche Fahrten in die Hände spielt. Im laufenden BLC 2021 wurden neben solchen Land Run Tasks auch weitere, eher experimentierfreudige Tasks gestellt, die einerseits interessant zu lösen sind, auf der anderen Seite aber dazu führen, dass die dezentralen Wettbewerbe eine ganz eigene Disziplin innerhalb der Ballonwettbewerbe werden. Dementsprechend sind einige Piloten nach wie vor sehr skeptisch gegenüber dieser Art von Ballon-Wettbewerben. Ich für meinen Teil werde versuchen, die gestellten Aufgaben zu lösen, sofern ich die Zeit dafür finde. Einen riesigen Aufwand werde ich dafür nicht betreiben und ich rechne damit, dass die dezentralen Wettbewerbe in dieser Form mangels Nachfrage verschwinden werden.

Im letzten Jahr hat ausserdem – irgendwo zwischen zwei Corona-Wellen – noch die Thüringer Montgolfiade sattgefunden, die wir ebenfalls für uns entscheiden konnten. Ich werde diesem Beitrag noch ein paar Fotos von diesem Event anfügen. Die Resultate gibt es hier.

Jetzt schreiben wir also bereits das Jahr 2021 und nächste Woche findet die Schweizermeisterschaft im Heissluftballonfahren in Affoltern im Emmental statt. Neben 13 internationalen Teilnehmern werden 7 Piloten (ja, in diesem Jahr ist leider keine Frau dabei) um den 20. Schweizermeister-Titel kämpfen. Die Favoriten-Rolle ist klar verteilt. Alles andere als ein weiterer Titel für Stefan Zeberli wäre eine grosse Überraschung.

Wir reisen in einer neuen Team-Konstellation an. Zum ersten mal mit dabei ist unser Familienzuwachs Alex, der mit seinen knapp acht Monaten Lebenserfahrung wohl noch nicht beim Wind messen zum Einsatz kommen wird. Für ihn ist Helens Mutter Hanni mit dabei. Die beiden werden sich eher im Hintergrund halten. Edi Büchi, Bruno Steiner und Helen werden mich am Ballon unterstützen. Die erste Fahrt ist am Morgen des 5. August geplant, am 8. August soll dann die letzte Fahrt mit anschliessender Siegerehrung um die Mittagszeit stattfinden. Ich werde versuchen wieder vor Ort etwas zu bloggen und ein paar Bilder mit euch zu teilen.

Mitte September wird dann bereits die Europameisterschaft in Ungarn stattfinden. Wenn an der SM alles gut läuft, wird auch das ein Familienausflug für uns.

Wir freuen uns auf die kommenden Wochen und hoffen auf gutes Wetter und viele Fahrten.

 

Keine WM, dafür dezentrale Meisterschaften

Die Weltmeisterschaft in Slowenien wurde um zwei Jahre verschoben und wird hoffentlich 2022 stattfinden. Das ist natürlich schade, aber durchaus nachvollziehbar, da die Unsicherheiten rund um das neue Coronavirus für einen Event mit dieser internationalen Beteiligung ein grosser Faktor ist.

Seit mittlerweile über 10 Jahren gibt es im Ballonsport die FAI Logger. Mit den GPS-Geräten werden bei den Meisterschaften jeweils die Tracks der Ballone aufgezeichnet um Resultate zu generieren und Regelverletzungen zu eruieren. Ausserdem können mit den Geräten Deklarationen gemacht und virtuelle Marker gesetzt werden um die modernen, markerlosen Tasks bestreiten und auswerten zu können. Da die Logger in die Jahre gekommen sind, hat die Ballonkommission der FAI nach Alternativen gesucht. Im letzten Sommer wurde eine erste Version der Balloon Live App publiziert. Diese App kann alle Funktionen der Logger übernehmen, ist aber auf das interne GPS des jeweiligen Geräts (Smartphone oder Tablet) angewiesen. Momentan ist die Entwicklung einer GPS-Box im Gang, die dann über Bluetooth mit dem Endgerät verbunden werden kann. Das soll zu mehr Genauigkeit führen und es soll ein Standard entstehen, der dann auch an grossen Meisterschaften angewendet werden kann.

Dank dieser Balloon Live App gibt es jetzt völlig neue Möglichkeiten, den Ballonsport zu lancieren. Der erste dezentrale Wettbewerb hat bereits begonnen und ein zweiter wird im Juli starten. Die Konzepte ähneln sich, sind aber nicht genau gleich. Alle Informationen, Resultate etc. sind auf watchmefly zu finden. Dort werden auch die Tracks der Piloten hochgeladen und von den Scorern ausgewertet.

Nach etwas Zögern habe ich beschlossen, mich für beide Wettbewerbe anzumelden. Bereits Ende letzter Woche startete der Early Birds 2.0, organisiert von einer Gruppe aus Belgien. Es werden in den nächsten Monaten sieben Aufgabenblätter veröffentlicht, die jeweils während zwei Wochen zu absolvieren sind. Am Schluss fliessen die besten fünf dieser sieben Fahrten in die Wertung ein. Resultate werden jeweils nach Abschluss der zweiwöchigen Slots berechnet und publiziert. Die Fahrten können überall auf der Welt stattfinden. Bisher sind 86 Teilnehmende angemeldet, es kann aber jederzeit noch eingestiegen werden.

Der zweite dezentrale Wettbewerb ist der Balloon Live Contest, der in Zusammenarbeit verschiedener Gruppierungen und Landesverbände (unter anderem waren und sind auch Schweizer involviert) organisiert wurde. Es soll ab Mitte Juli vier bis sechs Aufgabenblätter geben, die dann über eine etwas längere Zeit absolviert werden können. Die Fahrten bei diesem Event müssen in den Lufträumen von Deutschland, Österreich, Luxemburg oder der Schweiz stattfinden. Vermutlich ist die Idee dahinter, dass die COVID-19-Situation in den Ländern beobachtet und somit eine Benachteiligung von einzelnen Staaten minimiert werden kann. Wem das Titelbild des BLC 2020 auf watchmefly bekannt vorkommt hat es vielleicht hier schonmal gesehen 🙂

Diese Art von Ballonwettkampf unterscheidet sich grundsätzlich von allem, was bisher bekannt war. Die Bedingungen werden bei jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer unterschiedlich sein. Dementsprechend müssen die Aufgaben so gestellt werden, dass sie an verschiedenen Orten fahrbar sind. Auf der anderen Seite fallen die oftmals etwas zur Glückssache verkommenen Fahrten in grossen Pulks weg. Es wird sicher spannend sein, wie die Resultate ausfallen. Die Wettbewerbsleiter sind gefordert hier innerhalb der unterschiedlichen Bedingungen faire Aufgaben zu stellen.

Im Rahmend des Early Birds 2.0 gilt es bis spätestens zum 19. Juni vier Aufgaben zu absolvieren: PDG, HWZ, FON und HWZ. Das Tasksheet gibt’s hier. Die HWZ-Ziele sind in alle Himmelsrichtungen verteilt, die anderen beiden Ziele werden sowieso selbst gesetzt. Damit sind die Grundlagen geschaffen um die Aufgaben überall auf der Welt fahren zu können. Besonderheiten sind die 2D-Wertungen aller Aufgaben (die Höhe ist beim elektronischen Markern irrelevant, was bei den Wertungen mit unterschiedlichsten GPS-Sensoren in den mobilen Geräten durchaus Sinn macht) sowie das letzte Ziel, das 12km vom Startpunkt entfernt ist. Es sollte also durchaus etwas Wind vorhanden sein um die Aufgaben zu fahren.

Auf youtube gibts einen kurzen Film von Andrew Robertsons erster Early Bird Fahrt im australischen Winter.

Momentan herrscht Konsens darüber, dass diese Wettbewerbe in der jetzigen Situation Sinn machen. Vermutlich wird sich das Lager schon bald teilen und die Sichtweisen werden differenzierter. Für mich ist das ein Modell mit sehr viel Potenzial. Klar gibt es viele neue Faktoren und allenfalls werden Fahrten bei eher schlechteren Wettkampfbedingungen notwendig, es ist aber klar so, dass die Teilnahme an einem Heissluftballon-Wettkampf noch nie so einfach war. Sollte das von einer Pilotin oder einem Piloten gelesen werden, der an einer Teilnahme interessiert ist, sich aber Unterstützung wünscht, dann würde ich mich gerne zur Verfügung stellen. Falls es Lesende gibt, die in den nächsten Wochen spontan mal bei einer Wettkampfballonfahrt helfen möchten, dürfen die sich auch gerne melden.

Wann ich meine ersten vier Tasks in dieser neuen Form von Event bestreiten werde, weiss ich noch nicht. Ich gedenke an dieser Stelle im Nachhinein darüber zu berichten.

Ein herzliches Dankeschön an alle ideenreichen Geister, die den Ballonsport in dieser Form ermöglichen. Von App-Entwicklern über Wettbewerbs-Offizielle bis zu den Piloten sind grosse Anpassungsleistungen notwendig um auf eine internationale Krise mit solcher Kreativität zu reagieren.

Flughafen Zürich

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise wurden leider fast alle Heissluftballon-Wettbewerbe abgesagt. Ob die Weltmeisterschaft im September in Slowenien durchgeführt werden kann, ist noch nicht entschieden. Wir nutzten die wettbewerbsfreie und flugverkehrsarme Zeit heute Morgen um uns den Flughafen Zürich-Kloten genauer anzuschauen.

Nach dem bewilligten Start in Oberembrach gab uns der Turm die Erlaubnis für eine tiefe Überfahrt. Die Bilder sprechen für sich.

Vielen Dank an Kurt und Jris, Skyguide, Gian-Marco und Corinne und alle anderen Beteiligten!

5. Rang an der EM 2019

Bereits sind wir wieder auf dem Weg nach Hause in der Schweiz auf der Autobahn. Die Europameisterschaft 2019 ist Geschichte und hat für mich einen bitteren Abschluss gefunden. Nachdem ich vor der letzten Fahrt noch auf dem zweiten Rang lag, wären zwei Tasks im vorderen Drittel ausreichend gewesen um den Schweizer Doppelsieg komplett zu machen. Leider geriet ich bei der zweiten Zielanfahrt in eine kleine Ansammlung von Ballonen. Ich versuchte so hoch wie möglich noch etwas nach rechts zu korrigieren, jedoch nicht über den Ballon des Engländers Marcus Green zu geraten, weil ich dann den Marker gar nicht beim Ziel hätte abgeben können. Bereits Minuten zuvor versuchte ich diese Situation zu verhindern und stieg in eine langsamere Windschicht um dieser Gruppe zu „entkommen“. Irgendwann musste ich aber runter, um den Linksdreher in Richtung Ziel zu erreichen und im Abstieg beschleunigte ich so stark, dass ich eben doch wieder von hinten an die anderen Ballone andockte. Ein Video der letzten Sekunden der Zielanfahrt gibts im Beitrag auf der Webseite. Marcus Green (im quergestreitften Kubicek-Racer hinter dem gelb-grünen RCM-Ballon) markerte auf 1.17 Meter und erhielt dafür 967 Punkte während mein Ballon von seinem blockiert wurde und nicht nach rechts korrigierte. Ich markerte auf 15.82 Meter, erhielt dafür 265 Punkte und verlor drei Ränge im Gesamtranking. In den vorangehenden Fahrten verpasste ich es mit kleineren Fehlern bei Zielanfahrten und durch etwas nötigere und auch unnötige Strafpunkte eine grössere Differenz zur Konkurrenz aufzubauen. Dadurch war dieser Lapsus im letzten Task überhaupt ausreichend um die Medaille zu verpassen und natürlich haben die drei Piloten welche mich noch überholt haben, an diesem Morgen eine gute Leistung gezeigt.

Gestern Abend fand dann in der nähe von Palma in einer würdigen Umgebung die Siegerehrung statt. Stefan Zeberli wurde hochverdient zum fünften Mal Europameister. Silber holte Laurynas Komza aus Litauen vor Nicolas Schwartz aus Frankreich auf dem dritten Rang. Mit mir auf dem fünften Platz, Marc Blaser auf dem sechsten und René Erni auf dem 24. Rang gelang uns als Schweizer Team erneut der Gewinn der offiziellen Nationenwertung vor Frankreich und Litauen. Nach dem offiziellen Teil genossen wir die Show im Son Amar. Durchaus eine empfehlenswerte Adresse in Palma de Mallorca.

Direkt im Anschluss an die Siegerehrung verliessen wir Mallorca mit der Fähre in Richtung Barcelona. Mit etwas physischer und zeitlicher Distanz wird die EM 2019 in guter Erinnerung bleiben. Angesichts des Trainingsstandes vor der Anreise nach Mallorca ist die erneute Platzierung unter den besten fünf an einem internationalen FAI-Event natürlich ein grosser Erfolg. Die Erwartungen im Verlaufe des Aufenthalts auf der Insel sind bei allen Beteiligten gestiegen und die Medaille war in Griffweite. Ballonfahren ist aber eine Sportart und lebt von Spannung und Positionskämpfen. Dazu gehört manchmal auch, die eigene Position wieder hergeben zu müssen.

Ich gratuliere den Gewinnern und bedanke mich beim Schweizer Nationalteam mit den Coaches Ralph und Beat, insbesondere bei Stefan Zeberli und seinem Team für die tolle Zeit und das enorme Engagement im gemeinsamen Ferienhaus. Vielen Dank auch an die Leser dieses Blogs fürs Daumen drücken. Zuletzt ein herzliches Dankeschön an die wichtigsten Personen für diesen Erfolg: Danke Hanni, Edi, Elsbeth, Christian, Helen und Thomas! Es hat Spass gemacht und es wäre ohne euch nicht möglich gewesen!